Internationaler Frauentag: Die Coronakrise wirft uns zurück in alte Rollenbilder

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Lydia Skrabania

Bundesreferentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Bild: Engin Akyurt/Pixabay Lizenz

Die Coronapandemie hat weltweit für einen Rückschritt hinsichtlich der Gleichstellung von Frauen gesorgt. Frauen sind in der Pandemie stärker benachteiligt und belastet, prekäre Arbeitsbedingungen und klassische Rollenverteilungen haben sich sogar vertieft. Wir müssen hier genau hinsehen und handeln, damit sich diese Rückschritte nicht zementieren und die Geschlechtergerechtigkeit nicht um Jahre zurückgeworfen wird.

2020 wurde in Deutschland als „Gleichstellungsjahr“ ausgerufen – dann kam die Coronapandemie.  Sie hat viele radikale Änderungen in unserer Gesellschaft mit sich gebracht. Einiges davon kann als Chance begriffen werden. Doch gerade dort, wo bereits vor dem Ausbruch der Pandemie Ungleichheit, wo Benachteiligung oder prekäre Bedingungen herrschten, wurde die gesellschaftliche Kluft oft noch größer. „Die Coronakrise wirkt wie ein Brennglas: Sie zeigt, wo gesellschaftliche Probleme tief verankert sind – und sie zeigt uns, wo wir dringend handeln müssen, um dies aufzubrechen“, sagt HVD-Bundesvorstand Katrin Raczynski.

Studien zeigen, dass Frauen während des Lockdowns Mehrfachbelastungen wesentlich stärker ausgesetzt waren als Männer: Sie trugen den Großteil der Belastungen im Haushalt, in der Kinderbetreuung, beim Homeschooling – was die psychische Belastung von Frauen steigerte. Mütter schränkten häufig ihre Erwerbsarbeit ein, um diese Mehrfachbelastungen stemmen zu können. Das mindert berufliche Chancen und erhöht das Risiko für Altersarmut. Die Einkommensungleichheit wird so weiter verstärkt. Dies trifft insbesondere zu auf alleinerziehende Mütter. Ihr Anteil an den Alleinerziehenden von etwa 85 Prozent zeigt, dass auch hier die Gesellschaft Lasten überwiegend Frauen aufbürdet.

„Die Krise birgt die Gefahr einer weiteren Verfestigung struktureller Benachteiligungen“, erklärt Raczynski. „Es ist wichtig, hier genau hinzusehen und mit konkreten Maßnahmen und Angeboten gegenzusteuern. Und die Politik muss vorbeugend Rahmenbedingungen schaffen, damit in einem Pandemiefall eine eventuell notwendige Kinderbetreuung nicht hauptsächlich zu Lasten von Frauen geht.“

Im Konkreten müssen auch Arbeitgeber besondere familiäre Situationen von Frauen erkennen und in zweierlei Richtung wirken: Einerseits ist es geboten, Frauen Corona-bedingten Stress zu nehmen, zum Beispiel durch größtmögliche Arbeitszeitflexibilisierung und das gemeinsame Suchen nach Lösungen, andererseits könnten sie Frauen dabei unterstützen, bei häuslichen und familiären Arbeiten eine gleichberechtigte Verteilung durchzusetzen.

Auch sollten Arbeitgeber nicht erwarten, dass Männer – zulasten ihrer Partnerinnen – professionell „funktionieren“ wie zuvor, denn die Krise verlangt, mehr denn je, Kooperationsbereitschaft – zugunsten einer gerechteren Lastenverteilung.

Die Krise birgt auch Chancen für mehr Geschlechtergerechtigkeit. So verbrachten laut einer Studie Väter insgesamt mehr Zeit mit der Care-Arbeit als vor der Pandemie. Dies reiche jedoch nicht aus, um die Ungleichverteilung aufzuheben, wie Katrin Raczynski betont. „Generell ist nötig, dass Frauen in unserer Gesellschaft, in der Politik und in der Wirtschaft sichtbarer werden. Gleiche Arbeit muss gleich bezahlt werden, klassische Rollenverteilungen müssen aufgebrochen werden.“

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