Zur Frage der Islamlehrstühle in Deutschland

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Der Humanistische Verband Deutschlands (HVD) begrüßt grundsätzlich die Entscheidung der Bundesregierung zur Ausbildung von Imamen in Deutschland, Forschung und Lehre zum Islam zu stärken.

Dies ist ein Beitrag zur positiven Integration in Bezug auf die größte Gruppe von Deutschen mit Migrationshintergrund. Über Deutschland hinaus könnte es einen wichtigen Beitrag zur Neuentstehung eines europäischen Islam leisten, der sich weiter der Aufklärung und dem Dialog öffnet. Außerdem ist zu hoffen, dass die Tätigkeit muslimischer Forscher und Forscherinnen an deutschen Universitäten dazu führt, dass sich ressentimentgeladene Klischees über den wirklichen Glauben wichtiger Gruppen muslimischer Mitbürgerinnen und Mitbürger wieder abbauen lassen.

Der HVD ist sich darüber im Klaren, dass die Grundsatzentscheidung der deutschen Verfassung, auch Religionen und Weltanschauungen im öffentlichen Raum zu fördern (und dabei auch gleich zu behandeln), selber überprüfungsbedürftig ist. Sowohl eine stärkere Trennung von Staat und Weltanschauungen, als auch eine Überwindung des einseitigen Modells der Theologie, das an die Kirchen mit ihrem Lehramt gebunden ist, sind in diesem Zusammenhang zu wünschen. Auch für weltanschaulich gebundene Lehrstühle muss etwa die wissenschaftliche Offenheit garantierende Freiheit von Forschung und Lehre gelten.

Nach Ansicht des HVD wäre es zu beklagen, wenn diese gesellschaftspolitisch richtige Entscheidung nachträglich in den Kontext der widerlegten These von der „Rückkehr der Religionen“ gerückt würde – und jetzt etwa statt des sogenannte „christlich-jüdischen Abendlandes“ ein „christlich-jüdisch-islamisches Abendland“ als Leitkultur für die Gegenwart propagiert und institutionell unterfüttert würde. In einer Gesellschaft wie der deutschen, in der nach wissenschaftlichen Untersuchungen die Mehrheit der Bevölkerung „ungläubig“ ist, können Gottesbezug und religiös unterfütterte Geisteshaltungen keine wirksamen Orientierungen mehr bieten – weder den Einzelnen noch ihrem Gemeinwesen.

Der HVD warnt im Übrigen davor, den Aufbau der Imamausbildung auf Kosten der Islamwissenschaften zu betreiben, in denen eine nicht weltanschaulich gebundene wissenschaftliche Beschäftigung mit dieser wichtigen Dimension von Geschichte und Gegenwart stattfindet.

Auch die deutschen Universitäten sind aufgefordert, in Forschung und Lehre einen Beitrag zur Entwicklung der säkularen, nicht-religiösen Kultur zu leisten, indem sie von der gesamten Breite ihrer Forschungs- und Lehrfelder aus zur kritischen Reflexion der Voraussetzungen und Prinzipien einer humanen und vernünftigen Praxis beitragen – und dies nicht nur den Theologien überlassen. Denn auch wenn das etablierte Konzert der christlichen Theologien jetzt durch die Konstruktion einer islamischen Theologie ergänzt wird, bleiben diese Theologien insgesamt doch viel zu eng, um den Orientierungsbedürfnissen genügen zu können, wie sie in  unseren komplexen europäischen Gesellschaften entstehen, in denen sich die Mehrheit inzwischen von säkularen und rationalen Lebensorientierungen leiten lässt.

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