Kinder stehen im Zentrum jeder humanen Gesellschaft

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Zum Weltkindertag an Rechte und reale Bedürfnisse von Kindern neu erinnern.

„Das Leben von Kindern ist zu einem ungeheuren Feld der Kommerzialisierung geworden.“ Das bedauerte Frieder Otto Wolf, Präsident des Humanistischen Verband Deutschlands, gestern mit Blick auf den Weltkindertag der Vereinten Nationen, der jährlich am 20. November stattfinden soll. Wolf plädierte ebenfalls dafür, sich an diesem Tag die Ideen der UN-Kinderrechtskonvention wieder in Erinnerung zu rufen und die dort festgehaltenen Grundsätze in einen kritischen Abgleich mit der Wirklichkeit zu stellen. Nicht nur die Umsetzung der 54 durch die Konvention genannten Rechte kann dabei erneut auf den Prüfstand gestellt werden. Auch Fragen zum Kindeswohl, die nicht als Recht formuliert sind, sollten neu gestellt werden.

„Gleichzeitig könnte dieser Tag als Gelegenheit dienen, die vielen für das Wohl von Kindern in besonderer Weise tätigen Menschen und ihre Organisationen zu würdigen.“ In der Verantwortung für die Schaffung wirklich kindesgerechter Lebensbedingungen steht aber immer die gesamte Gesellschaft, so Wolf. Sich ohne überzeugende Gründe den daraus entstehenden Pflichten entziehen zu wollen, sollte nicht als redlich gelten. Ebenso muss gewährleistet werden, dass alle Eltern den realen Bedürfnissen ihrer Kinder auch nachkommen können.

„Während die Kindesentwicklung in früheren Epochen zum vielfachen Nachteil für diese fast ausschließlich der Fähigkeit und dem Ermessen der Eltern oder auch nur des Vaters untergeordnet wurde, ist für mich nun eine Entwicklung zu beobachten, in der sich sowohl Menschen wie gesellschaftliche Institutionen der Verantwortung zur Sorge nicht mehr angemessen annehmen“, so Wolf. Das werde leider auch in den Statistiken zur Entwicklung der Kinderarmut deutlich, die sich immer mehr ausbreite – auch in reichen Gesellschaften. Er erinnerte, dass die Schaffung guter Lebensbedingungen und zukunftstauglicher Entwicklungsmöglichkeiten für alle Kinder im Land und ohne Anschauung ihrer Herkunft, ihres Geschlechts oder der Religion ihrer Eltern zur fundamentalen Aufgabenstellung jeder Gesellschaft gehört, die human und friedlich sein soll.

Dieses Ziel sollte eigentlich von ganz breiten gesellschaftlichen Bündnissen ernsthaft verfolgt werden. Dass dies nicht der Fall ist, lasse erkennen, dass in unseren heutigen Gesellschaften sich etwas ganz grundlegendes falsch entwickle, meinte Wolf weiter. Kinder sollten dabei stets in ihrer Eigenständigkeit, ihrem besonderen Wert als wachsende Menschen und mit ihren realen Bedürfnissen gesehen werden. „Die in dieser Hinsicht stark gewachsene Kommerzialisierung, die eben keine Befreiung ist, sondern neue Abhängigkeiten schafft, müssen wir dabei ebenso kritisch hinterfragen wie jede folgenschwere Unterordnung des Wohls von Kindern, ihrer natürlichen Interessen und Rechte unter die Willkür von Autoritäten. Kinder dürfen nicht zu einem bloßen ‘Absatzmarkt’ herabgesetzt werden, sie sind als sich bildende Subjekte mit eigenen Wünschen und Perspektiven ernst zu nehmen. Diese Kritik an der ‘Konsumgesellschaft’ mit ihrem Versprechen, alle menschlichen Bedürfnisse durch den Verkauf von Waren befriedigen zu können, ist gerade in Bezug auf ein gutes Leben von Kindern in unserer Gesellschaft aktuell. Sie sollte aber nicht als Vorwand dafür dienen, bei öffentlichen Einrichtungen und Dienstleistungen für Kinder zu ‘sparen’ und Eltern mit Aufgaben alleine zu lassen, die sie alleine nicht bewältigen können.“ Gerade in Zeiten der Krise seien die Kinder darauf angewiesen, dass sie selbst und ihre Eltern sich auf die Solidarität der Gesellschaft verlassen können – und auch hier könne nur eine verantwortliche demokratische Politik wieder verlässliche Zukunftsperspektiven schaffen.

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