Humanes Minimum sollte im Vordergrund stehen

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Das Präsidium des Humanistischen Verbands Deutschlands begrüßt Bemühungen der christlichen Kirchen, sich den Herausforderungen im Sozialstaat zu stellen.

„Eine der wichtigsten Herausforderungen ist, ein gemeinsames humanes Minimum trotz entgegengesetzter Positionen zu entwickeln und zu vertreten“, kommentierte Frieder Otto Wolf, Präsident des Humanistischen Verbands Deutschlands, gestern die Debatte um moderne Formen des Sozialstaats innerhalb der christlichen Kirchen.

Im Mittelpunkt des „Sozialpolitischen Aschermittwochs“ der Kirchen am Mittwoch standen die Zukunftsperspektiven des Sozialstaats. Unter dem Thema „Der Sozialstaat des 21. Jahrhunderts braucht zwei Beine“ beschäftigte sich die von der Evangelischen Kirche im Rheinland und dem Bistum Essen getragene Veranstaltung mit Fragen von Solidarität und Gerechtigkeit.

Dabei kam Jutta Allmendinger, Präsidentin des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung, zu Wort. Sie sprach unter anderem über einen Paradigmenwechsel vom klassischen fürsorgenden und versorgenden Sozialstaat hin zu einem „aktivierenden Sozialstaat“, der die Bereiche Bildung und Ausbildung nicht mehr vernachlässige. Sparpläne in der Bildungspolitik kritisierte sie deutlich.

„Der praktische Humanismus verlangt zwar einerseits, dass kein Mensch gezwungen werden darf, unter menschenunwürdigen Bedingungen zu leben“, so Wolf dazu weiter. Die vielfältigen Formen von Armut stellen deshalb auch für Humanistinnen und Humanisten ein zentrales Problem dar, wie unter anderem das vor zwei Jahren veröffentlichte Humanistische Sozialwort zeige.

Mit einer konkreten wissenschaftlichen Diagnose über die Lagen, Probleme und Mechanismen von historischen Prozessen sei das im Rahmen eines praktischen Humanismus aber nicht verknüpft, erklärte Wolf.

Die Einigung auf ein humanes Minimum stünde insofern im Vordergrund, um Maßstäbe für das gemeinsame Handeln zu geben. Und auch ein durch Bildung befähigender und Teilhabe ermöglichender Staat anstelle eines „staatlichen Systems der Reparaturbetriebe“ sei als ein nach humanistischen Grundsätzen zu unterstützendes Modell zu bewerten, „wenn in ihm mit der Gewährleistung der humanen Mimina für alle Ernst gemacht wird“.

Frieder Otto Wolf: „Die Entwicklung einer Kultur der wissenschaftlichen Debatte, die in solchen Fragen ernsthaft verfährt und alle Dogmatisierungen abbaut, ist dabei natürlich unerlässlich. Hier gibt es, ebenso wie hinsichtlich der Einigung über ein humanes Minimum, noch viel zu tun und beides ist eine ganz wichtige Aufgabe eines wirklich zeitgenössischen Humanismus.“

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