Bildung statt Verbote

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Frieder Otto Wolf: Entstehung von Nährböden für verfassungsfeindliche und fundamentalistische Bewegungen ist selbstverschuldet, aber vermeidbar.

Die Forderungen nach dem Verbot von religiös-fundamentalistischen Gruppierungen werden im Humanistischen Verband Deutschlands kritisch gesehen. Frieder Otto Wolf, Präsident des Bundesverbands, plädierte deshalb am Dienstag dafür, die vermehrten Konflikte zwischen salafistischen Gruppen und rechtsgerichteten politischen Vereinen zum Anlass für die Stärkung von Aufklärung und Humanismus zu nehmen.

„Die den Konflikten zugrunde liegenden Probleme werden durch Verbote von religiösen oder weltanschaulichen Überzeugungen jedenfalls nicht gelöst.“

Nach Übergriffen von gewaltbereiten Gläubigen gegen die Provokationen von rechtspopulistischen Gruppen waren Stimmen lautgeworden, die ein Verbot der religiös-fundamentalistischen Salafisten forderten. Nicht nur Politiker aus CDU und CSU, auch der evangelische Bischof Markus Dröge sprach sich für ein Verbot aus.

Frieder Otto Wolf erinnerte deshalb erneut, dass Verbote kein nachhaltiger Ansatz im Umgang mit dieser Art von Problemen sind. „Glaube lässt sich nicht verbieten“, so Wolf. Dass der Nährböden für derartige religiös gefärbte Konflikte in Deutschland in den letzten Jahrzehnten gewachsen sei, liege auch daran, das der rationale Umgang mit religiösen Ideen nicht im notwendigen Maße unterstützt wurde.

Auch auf soziale Faktoren, die derartige Zuspitzungen fördern, werde bisher nicht aufmerksam reagiert und stattdessen eine Praxis der pauschalen Ausgrenzung betrieben. „Eine aufgeklärte und humane Glaubenspraxis lässt sich sicherlich nicht durch provozierende Bilder zu Gewalt provozieren“, betonte Wolf.

„Zugleich müsste aber auch endlich erkannt werden, dass die in Deutschland immer noch verbreitete Beschwörung einer christlichen Leitkultur viele Besitzer anderer Glaubensüberzeugungen dazu anspornt, eigene Positionen zuzuspitzen. Soziale Spaltungen, Diskriminierungen und Entrechtungen haben zusätzliche Beiträge dafür geliefert, dass fundamentalistische Bewegungen neuen Zulauf erhalten konnten.“

An diese Einsicht könnten Beobachter in Zukunft konsequent anknüpfen, um dem Wachstum von demokratiefeindlich gesinnten und gewaltbereiten Gruppen vorzubeugen.

Gerade weil unterschiedliche Überzeugungen und Zugänge zur Sinnstiftung zum Wesen einer offenen Gesellschaft gehören, sei eine stärkere Entfaltung der Praxis von Aufklärung und Humanismus überfällig, damit der friedliche Wettbewerb und die konstruktive Koexistenz aller Gemeinschaften entwickelt wird.

„Für so ein Anliegen gibt es in jeder Konfession geeignete Ansprechpartner. Diese müssen aber auch aktiv angesprochen werden: Der gemeinsame Abbau von sozialen und kulturellen Milieus, in denen unaufgeklärte Haltungen blühen, ist eine Herausforderung, der sich unsere ganze Gesellschaft stellen muss.“

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