„Chancen zur redlichen Diskussion schaffen“

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Beschneidungsurteil darf nicht zum Sprungbrett für neuen Antisemitismus oder Rassismus in Deutschland werden.

„Humanistinnen und Humanisten müssen die Sorgen und Befürchtungen in den jüdischen und muslimischen Gemeinden ernst nehmen, die nach dem umstrittenen Urteil des Landgerichts Köln entstanden sind“, sagte Frieder Otto Wolf, Präsident des Humanistischen Verbandes Deutschlands, am Mittwoch in Berlin.

Im Zuge der kontroversen öffentlichen Debatte, die nach dem Bekanntwerden des sogenannten Beschneidungsurteils entstanden ist, hatten die Angehörigen und Vertreter vor allem der jüdischen Gemeinde wiederholt Entsetzen und Besorgnis gegenüber einer neuen Entstehung von antisemitischen Haltungen zum Ausdruck gebracht.

„Niemand sollte das ignorieren“, betonte Frieder Otto Wolf. „Das Beschneidungsurteil darf nicht zum Sprungbrett für Ansichten und Haltungen werden, die von einem antisemitischen, rassistischen oder xenophoben Denken geprägt sind. Zu Diskussionen im Alltag und den Medien muss klar Stellung bezogen werden, wenn sich hier Motive zeigen, die mit einer humanistischen Auffassung nicht zu vereinbaren sind.“

Frieder Otto Wolf erinnerte dabei auch daran, dass ausländerfeindliche und kulturell intolerante Haltungen sich in den vergangenen Jahren häufiger in das Gewand einer als seriös auftretenden Islamkritik zu kleiden versuchten. „Vergleichbare Versuche der den Angehörigen des jüdischen oder islamischen Kulturkreises feindlich gesonnenen Menschen müssen in den aktuellen Diskussionen über die Beschneidung von Kindern konsequent identifiziert, öffentlich gemacht und wo möglich unterbunden werden.“

Und auch bei diesem Thema sollten vor allem Humanistinnen und Humanisten zeigen, dass eine von Sorgfalt geprägte Diskussionskultur unverzichtbar ist und Toleranz, Verständnisfähigkeit und die rationale Auseinandersetzung mit Problemen und Widersprüchen zu den Grundsätzen humanistischen Handelns und Denkens zählen.

„Religion und religiöser Praxis sollte außerdem immer die Chance gegeben werden, sich kompatibel zum Rechtsstaat zu entwickeln“, so Wolf weiter. In den vorhandenen Streits dürfe nicht den fundamentalistischen Haltungen die Debattenhoheit überlassen werden.

„Wichtig ist, dass die Stimmen der Vernunft in einen konstruktiven Dialog treten und sich mit ihren Feststellungen schließlich hörbar machen können“, sagte Wolf, auch mit Blick auf Versuche der Bundesparteien, die Beschneidung von Jungen sehr zügig zu regeln.

„Wirkliche Chancen zu einer redlichen Diskussion und dem Nachdenken über Reformen zu schaffen, hilft meiner Einschätzung nach sowohl den Kindern wie auch ihren Eltern und Angehörigen am ehesten.“

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