„Eine der schönsten Aufgaben der Welt“

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Kultur der Einladung und Begegnung stärken: Zum internationalen humanistischen Feiertag erinnerte Frieder Otto Wolf an den Wert gemeinsamer Erlebnisse.

Humanismus ist eine gemeinschaftliche Sache. Daran hat Frieder Otto Wolf, Präsident des Humanistischen Verbandes Deutschlands, am Donnerstagabend in Berlin erinnert. „Sich dafür einzusetzen, dass sich Menschen mit dem Wunsch nach einer besseren Welt persönlich begegnen können, ist ein elementarer Teil von humanistischer Praxis“, betonte Wolf dabei.

Anlass ist der internationale humanistische Feiertag am 21. Juni jeden Jahres, wie er 1986 als World Humanist Day von der Internationalen Humanistischen und Ethischen Union ausgerufen wurde.

Er geht zurück auf eine lange Tradition von Organisationen nichtreligiöser Menschen in den Vereinigten Staaten und knüpft an das astronomische Ereignis der Sommersonnenwende an. Als Feiertag soll er dazu dienen, das Bewusstsein für die Bedeutung von humanistischen Ideen und Überzeugungen zu verbessern.

„Das in Begegnungen möglich gemachte Erlebnis gemeinsamer Überzeugungen schafft die beste Basis, um nachhaltige Veränderungen im Sinne humanistischer Anliegen wirklich werden zu lassen“, so Wolf weiter. Er machte sein Bedauern darüber deutlich, dass viele Menschen ihr Streben nach der Humanisierung gesellschaftlicher Verhältnisse heute so stark in virtuellen Räumen ausleben. „Ich habe die Sorge, dass hier neue Parallelwelten entstanden sind, in denen die Illusion gedeiht, dass die Bewältigung realer Krisen auf die planvolle Zusammenarbeit in der Wirklichkeit nicht angewiesen ist.“

Gewürdigt werden sollte anlässlich dieses Tages jedenfalls die Arbeit all der Menschen, die sich im Sinne des Humanismus einsetzen, sagte Wolf weiter. „Engagement für vernunftbasiertes, rationales und skeptisches Denken, Mitgefühl gegenüber allen empfindungsfähigen Lebewesen, der Einsatz für Selbstbestimmung, Solidarität und Gewissensfreiheit, die Verteidigung von  humanen Minima, Pluralismus und demokratischen Prinzipien – die besten humanistischen Traditionen finden sich da zusammengeführt“, erinnerte er. „In diesem Rahmen tätig zu sein ist für uns eine der schönsten Aufgaben. Dass wir dabei nicht allein sind, gibt guten Grund zur Hoffnung.“

Wolf drückte seinen Dank für die vielen Bemühungen der Menschen aus, die sich für die gemeinsamen Anliegen einsetzen und er rief außerdem dazu auf, sich beim Blick auf die Bilanz des persönlichen Strebens nicht die Versäumnisse derer anzulasten, die nicht an einer Humanisierung der Verhältnisse interessiert sind: „Es sollte vielmehr das Bewusstsein für den großen Wert unserer gemeinsamen Bemühungen schärfen und die Bedeutung der Kooperation stärken.“

Er sprach sich dabei auch dagegen aus, Positionen zu moralischen und politischen Fragen vorrangig anhand ihres vorläufigen medialen Erfolgs zu bewerten. „Humanismus beweist seine Nachhaltigkeit im Rückblick, nicht durch anfängliche Euphorie. Wahrheit ist keine Sache, die sich den Maßstäben ökonomischen Denkens unterwerfen sollte.“

Räume zur grundlegenderen Erneuerung von menschlichen Verhältnissen zu schaffen, bleibe angesichts der tiefgreifenden Krisen eine äußerst bedeutende Aufgabe, betonte Frieder Otto Wolf schließlich. „Eine Kultur der Einladung und Begegnung hilft hier, die gemeinsamen Überzeugungen und Perspektiven zu finden und darauf aufbauend ein praktisches Engagement zu entwickeln. Das ist und bleibt eine der schönsten Aufgaben der Welt.“

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