„Diskussionen nicht als bloßen Selbstzweck verstehen“

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Konstituierende Sitzung des Präsidiums des Bundesverbandes in Hannover: Rückblicke auf die Erfolge im zurückliegenden Jahr, Diskussionen zur weltanschaulichen Profilierung und der Beschluss des Haushalts für das Jahr 2015 waren Themen der Tagung des Präsidiums des HVD Bundesverbandes am vergangenen Samstag in der niedersächsischen Landeshauptstadt.

Die erste Sitzung des Präsidiums nach der diesjährigen Bundesdelegiertenversammlung hatte zum Ziel, einen erneuerten Ordnungsrahmen für die Arbeit in den kommenden Monaten herzustellen. Dazu zählte unter anderem die Bestimmung von Zuständigkeiten innerhalb des Ende Juni gewählten Präsidiums, in dem fünf neue Vertreter aus den Landesverbänden bzw. dem Jugendverband für die kommenden drei Jahre Verantwortung übernommen haben. Darüber hinaus gab es Gespräche zur Frage, wer in Zukunft für die Zusammenarbeit zwischen dem Humanistischen Verband Deutschlands und der Europäischen Humanistischen Föderation sowie der Internationalen Humanistischen und Ethischen Union zuständig sein wird, welche die Interessenvertretung jeweils auf der Ebene der Europäischen Union und der Vereinten Nationen sicherstellen. Der bisherige Bundesbeauftragte Werner Schultz wird 2016 in den Ruhestand treten.

Der starke Wille zu Kontinuität und nachhaltiger Entwicklung prägte auch die abschließenden Gespräche zum Haushaltsplan für das kommende Jahr, der auf der Sitzung in Hannover beschlossen wurde. Dieser hält an den bewährten Schwerpunktsetzungen aus dem vergangenen Jahr fest.

Die konstituierende Sitzung am Samstag war zugleich die letzte Tagung des Präsidiums in diesem Jahr und daher ein Anlass, auf die Erfolge in den Ländern während der zurückliegenden zwölf Monate zu blicken. Die reibungslose Bewältigung des Übergangs in der Direktion der Humanistischen Akademie Deutschland, die seit Juni der neue Direktor Ralf Schöppner wahrnimmt, sowie beim Amt des Vorstandsvorsitzenden des Humanistischen Verbandes Berlin-Brandenburg, das seit September vom Martin Beck ausgeübt wird, zählten dazu. Beck, der bis zum Amtsantritt als Mitglied des Abgeordnetenhauses von Berlin tätig war, nahm ebenfalls an der Sitzung in Hannover teil.

Als positive Ereignisse konnten außerdem die erfolgreiche Initiierung des Bündnisses für die Selbstbestimmung bis zum Lebensende, die Fortsetzung der Arbeit des Bündnisses für sexuelle Selbstbestimmung und die Intensivierung der Kooperation mit kleineren Religionsgemeinschaften wie der Alevitischen Gemeinde Deutschland begrüßt werden. Und sowohl die Gespräche auf dem Strategietreffen des Bundesverbandes im Januar wie auch die Eindrücke des diesjährigen World Humanist Congress im August werden die Zielsetzungen und Schwerpunkte der Bundesverbandsarbeit in Zukunft mit prägen. Das mache eine Stärkung des Dachverbandes erforderlich, betonte Frieder Otto Wolf in Hannover.

Vorbereitungen auf das nächste Treffen des Koordinierungsrates säkularer Organisationen im kommenden Monat waren ebenfalls Thema der Tagung: Die Vertreterinnen und Vertreter des Humanistischen Verbandes werden dort das eigenständige Profil des Verbandes als Weltanschauungsgemeinschaft selbstbewusst einbringen.

Einigkeit im Präsidium gab es außerdem darin, dass die weltanschauliche Profilierung weiterhin verstärkt werden sollte. Frieder Otto Wolf sagte, dass dies als gemeinsame Aufgabe des Bundesverbandes, der Landesverbände und des Jugendverbandes wahrgenommen werden müsse. „Hier sind alle Angehörigen unseres Verbandes gefragt“, so Wolf.

Zu dieser Aufgabe gehöre aber auch der Neuentwurf des Humanistischen Selbstverständnisses, der derzeit nach neuestem Stand von einer Redaktionsgruppe unter Leitung des Direktors der Humanistischen Akademie Deutschland erarbeitet wird. Der neue, kurz gefasste und konsensorientierte Entwurf soll alle bisherigen Vorschläge und Einwände berücksichtigen und im nächsten Jahr beschlossen werden können. Nach der Annahme soll der Text gemeinsam mit den schon im vergangenen Jahr vorgestellten Grundsätzen des Humanistischen Verbandes Bayern auch notwendige Anstöße zur Fortsetzung der Selbstverständigung des organisierten Humanismus liefern.

„Diese Diskussionen dürfen aber nicht als bloßer Selbstzweck verstanden werden“, sagte Frieder Otto Wolf am Samstagabend dazu. Ziel sei vor allem, erneuerte Positionen und Antworten zu der Frage zu bieten, „warum Menschen, die keine weltanschauliche Bindung haben, sich unserer Gemeinschaft anschließen und mit Hilfe des Verbandes füreinander und für andere Menschen konkrete Verantwortung übernehmen sollten. Hier immer wieder aktuelle, zeitgemäße und angemessene Antworten geben zu können, ist eine Aufgabe, die in den nächsten Jahren weiter an Bedeutung gewinnen wird.“

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