Ottawa-Deklaration: Humanismus als Widerstand

Der World Humanist Congress 2026 fand in Ottawa statt.
Der World Humanist Congress 2026 fand in Ottawa statt.

Beitragsbild: Chris DeSort/unsplash

Der Humanist World Congress 2026 in Ottawa hat die Erklärung Humanismus als Widerstand verabschiedet. Als Mitglied von Humanists International unterstützen wir die Aussagen der Ottawa-Deklaration.

1. Humanismus ist nicht nur eine Reihe von Werten, sondern eine aktive Lebenseinstellung. Wir bekräftigen die fortschrittliche und optimistische Vision unserer Amsterdamer Erklärung: dass jeder Mensch das Recht auf die größtmögliche Freiheit besitzt, die mit den Rechten anderer vereinbar ist. Doch der menschliche Fortschritt ist weder automatisch noch unvermeidlich. In Zeiten globaler Herausforderungen und globaler Unsicherheit müssen sich Humanist*innen nicht nur eine bessere Zukunft vorstellen, sondern auch handeln. Wir müssen die Grundlagen verteidigen, die eine bessere Zukunft ermöglichen, und den Kräften entgegenwirken, die diese Vision untergraben.

2. Wir stellen uns gegen das weltweite Wiedererstarken von Autoritarismus und Kriegstreiberei. Wir lehnen den extremen Nationalismus und Demagogie ab, die gemeinsam den Frieden und die Stabilität in allen Teilen der Welt bedrohen. Und wir stehen vereint gegen die zunehmenden Einschränkungen des Rechts auf Gedanken- und Meinungsfreiheit, insbesondere durch die politische Instrumentalisierung polizeilicher Maßnahmen, die Zunahme politischer Einschüchterung und die Eskalation staatlicher Zensur, um Humanist*innen und andere Verteidiger*innen der Menschenrechte zum Schweigen zu bringen.

3. Wir stellen uns gegen die Normalisierung von Hass und Entmenschlichung. Entmenschlichung ebnet stets den Weg für Diskriminierung, Verfolgung und Massenverbrechen, indem sie das Leid anderer Menschen als hinnehmbar oder gar verdient erscheinen lässt. Sie geht den meisten Menschenrechtsverletzungen voraus. Wir lehnen das Wiederaufleben von Irrationalität und Wissenschaftsleugnung sowie die gezielte Verbreitung von Falschinformationen und Hass, die den öffentlichen Diskurs vergiften, entschieden ab. Wir verurteilen Rassismus, Fremdenfeindlichkeit sowie die Anstiftung zu Hass und Gewalt gegen Minderheiten, die oft zynisch im Namen der Religionsfreiheit gerechtfertigt werden, und erinnern alle Institutionen und die in ihnen tätigen Menschen daran, dass jedes menschliche Leben den gleichen unveräußerlichen Wert besitzt.

4. Wir stellen uns gegen die Aushöhlung der Menschenwürde durch neue Technologien. Wir fordern Regierungen nachdrücklich auf, die Entwicklung technologischer Systeme zu verhindern, denen menschliches Einfühlungsvermögen fehlt oder die Diskriminierung durch Voreingenommenheit verstärken. Alle Technologien müssen den Menschen gegenüber rechenschaftspflichtig bleiben und mit der Menschenwürde, Empathie, demokratischer Kontrolle und unseren ethischen Verpflichtungen im Einklang stehen. Wir verpflichten uns, die Freiheit unserer Gedanken und unser Recht auf Privatsphäre vor digitaler Überwachung zu schützen, sei es durch Regierungen oder private Unternehmen.

5. Wir bekräftigen die Kraft des individuellen Handelns. Widerstand beginnt mit der Erkenntnis, dass alle Menschen die angeborene Fähigkeit besitzen, eine gerechtere Zukunft zu gestalten. Indem wir uns die universellen ethischen Normen zu eigen machen, die in internationalen Menschenrechtsverträgen und -erklärungen verankert sind, und indem wir aktives kritisches Denken praktizieren, können alle Menschen eine größere individuelle Handlungsfähigkeit sowie die gemeinsame Fähigkeit entwickeln, sich zu organisieren und Unterdrückung zu bekämpfen. Wir setzen uns für ethische Bildung und rationales Denken ein sowie für die Entwicklung radikaler Hoffnung, als bewussten, strategischen Akt des Widerstands gegen die Verzweiflung, auf die Demagog*innen setzen.

6. Wir verpflichten uns zu mitfühlender Solidarität. Autoritarismus gedeiht in Isolation; Humanismus gedeiht in Verbundenheit. Wir erkennen an, dass die Last des Engagements für Menschenrechte einen hohen persönlichen Preis fordern kann, und wir bringen auch denjenigen unser Mitgefühl und unsere Solidarität entgegen, die aus berechtigter Angst vor Repressalien schweigen müssen, insbesondere jenen, die unter repressiven Regimen leben oder gezwungen sind, ihre Gedanken und ihre Identität zu verbergen. Wir verpflichten uns, denjenigen zuzuhören und von ihnen zu lernen, die an den Rand gedrängt wurden, und wir versprechen, widerstandsfähige Gemeinschaften vor Ort aufzubauen, die schutzbedürftigen Stimmen einen sicheren Ort bieten, damit niemand allein Widerstand leisten muss.

7. Wir verteidigen demokratische Institutionen und Menschenrechtsrahmen. Persönliche Widerstandsfähigkeit allein reicht nicht aus. Damit Einzelpersonen wirksam geschützt werden können, müssen sie sich zusammenschließen und strukturelle Verteidigungsmechanismen aufbauen. Wir verpflichten uns, nationale humanistische Organisationen zu stärken und humanistische Führungspersönlichkeiten kontinuierlich zu schulen und zu unterstützen. Wir verpflichten uns, bestehende internationale Menschenrechtsrahmen, Rechtsstaatlichkeit und demokratische Prozesse zu nutzen und zu verteidigen, um unkontrollierte Machtausübung zur Rechenschaft zu ziehen. Wir verpflichten uns, jene Institutionen zu reformieren, wo sie versagen, insbesondere im Hinblick auf gleichberechtigten Zugang und Nichtdiskriminierung.

8. Wir rufen Humanist*innen dazu auf, sich mutig und selbstbewusst im öffentlichen Raum mutig und selbstbewusst aufzutreten. Wir müssen uns an demokratischen Prozessen beteiligen, säkulare Institutionen verteidigen, chauvinistischen Nationalismus, Kriegstreiberei, Fehl- und Desinformation und Irrationalität öffentlich entgegentreten und uns unmissverständlich für Menschenrechte auf nationaler und internationaler Ebene einsetzen.

Wir rufen alle Mitgliedsorganisationen von Humanists International dazu auf, offene und nach außen gewandte humanistische Gemeinschaften aufzubauen und zu unterstützen, ihre Mitglieder zu aktiver gesellschaftlicher und demokratischer Teilhabe zu befähigen, sich für die Stärkung demokratischer Institutionen in ihren eigenen Ländern einzusetzen und gemeinsam daran zu arbeiten, die hier dargelegten Prinzipien in praktische, lokal anpassbare Aufrufe zum Handeln umzusetzen, damit alle Humanist*innen, wo auch immer sie sich befinden, einen sinnvollen Weg finden können, Widerstand zu leisten.

Die Ottawa-Deklaration im englischen Original ist bei Humanists International veröffentlicht.

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