Freedom of Thought Report 2025: Religion als Instrument autoritärer Politik

FOTR_2025

Beitragsbild: Humanists International

Die internationale Partnerorganisation des Humanistischen Verbandes Deutschlands, Humanists International, hat den Freedom of Thought Report 2025 veröffentlicht. Der jährlich erscheinende Bericht untersucht weltweit, wie Staaten das Recht auf Religions- und Weltanschauungsfreiheit sowie die Meinungsfreiheit achten und schützen. Die 14. Ausgabe analysiert insbesondere den Zusammenhang zwischen Religion und dem globalen Erstarken autoritärer Politik.

Der Freedom of Thought Report 2025 analysiert, wie Religion dazu genutzt wird, politische Kontrolle auszuüben und die Aushöhlung von Menschenrechten zu legitimieren. Während einige Länder gegenüber nicht-religiösen Menschen offener geworden sind und progressive politische Ansätze verfolgen, greift eine wachsende Zahl von Regierungen zu autoritären Praktiken, insbesondere zulasten von nichtreligiösen Menschen sowie religiösen Minderheiten.

Die diesjährige „Key Countries“-Ausgabe untersucht die Situation in Bangladesch, El Salvador, Georgien, Kenia, Libanon, Malaysia, Malta, Myanmar, Sudan und den USA. Sie analysiert jeweils die Lage nicht-religiöser Menschen sowie religiöser Minderheiten und bewertet staatliche Rahmenbedingungen für Meinungs-, Religions- und Weltanschauungsfreiheit.

Katrin Raczynski, Vorstandssprecherin des Humanistischen Verbandes Deutschlands – Bundesverband, erklärt: „Eine offene Gesellschaft lebt vom freien Denken, vom Zweifel und von Kritik. Wo Staaten religiöse Dogmen über Grund- und Menschenrechte stellen, müssen wir entschieden widersprechen. Gedankenfreiheit ist kein kulturelles Privileg, sondern ein universelles Menschenrecht. Wird sie eingeschränkt, geraten Demokratie und Rechtsstaatlichkeit unweigerlich in Gefahr.“

Maggie Ardiente, Präsidentin von Humanists International, warnt vor den Strategien zunehmend autoritärer Regierungen: „Auch wenn sie sich als Verteidiger der Religionsfreiheit und ‚traditioneller Werte‘ präsentieren, drängen sie in der Praxis oft auf religiöse Privilegien, indem sie die Menschenrechte von Minderheiten untergraben und unabhängige demokratische Institutionen zerschlagen.“

Im Vorwort des Berichts schildert der Humanist und Menschenrechtsaktivist Mubarak Bala seine Verfolgung in Nigeria. Wegen angeblich „blasphemischer“ Social-Media-Beiträge wurde er angeklagt und zu einer langen Haftstrafe verurteilt. Während seiner Inhaftierung wurde er gezwungen, religiöse Praktiken auszuüben, die er nicht teilte. Erst durch eine internationale Solidaritätskampagne kam er frei.

Auch die USA werden im Bericht kritisch beleuchtet. Trotz starker verfassungsrechtlicher Garantien für Religions- und Meinungsfreiheit konstatiert der Bericht unter der derzeitigen Regierung einen deutlichen Rückschritt bei demokratischen Rechten und Grundfreiheiten. Regierungskritiker*innen werden zunehmend diffamiert, und die freie Meinungsäußerung sieht sich wachsenden politischen und gesellschaftlichen Angriffen ausgesetzt.

Der Freedom of Thought Report 2025 wird am 25. Februar 2026 in Brüssel vorgestellt und ist auf der Website von Humanists International abrufbar.

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