Während Max Sievers für den Humanistischen Verband Deutschlands einen festen und wichtigen historischen Bezugspunkt darstellt, ist er außerhalb dieses Rahmens eine zu wenig bekannte Persönlichkeit. Das liegt nicht zuletzt an der mangelnden historischen Aufarbeitung, die in einem starken Missverhältnis zu seiner Bedeutung für das organisierte Freidenkertum vor 1933 steht. Eine umfassende Biographie sowie eine Sammlung seiner Schriften stehen aus. 2025 ist in Frankreich der erste Versuch unternommen worden, wichtige Texte Sievers‘ in Übersetzung einem französischen Publikum vorzustellen; die Übertragungen stammen von dem Germanisten und Freidenker Pierre-Yves Modicom.
Max Sievers wurde am 11. Juli 1887 in Berlin-Tempelhof geboren und wuchs in einfachen Verhältnissen auf. Vom Bürojungen arbeitete er sich bis zum Prokuristen hoch, bevor ihn der Erste Weltkrieg zum Militärdienst führte, zuletzt im Sanitätswesen. 1918 setzte ein verstärktes politisches Engagement ein: Er wurde Mitglied der USPD, später der KPD und arbeitete als Redakteur unter anderem für die „Rote Fahne“. Nach politischen Konflikten verließ er 1921 die KPD und trat der SPD bei. Als hauptamtlicher Geschäftsführer des Vereins der Freidenker für Feuerbestattung, später Vorsitzender des Deutschen Freidenker-Verbandes machte er die Organisation zu einer Massenorganisation mit Hunderttausenden Mitgliedern. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten wurde Sievers 1933 verhaftet und ausgebürgert. Ihm gelang die Flucht ins Exil, von wo aus er den Widerstand publizistisch fortsetzte (u.a. mit seinem Hauptwerk „Unser Kampf gegen das Dritte Reich“, Stockholm 1939). 1943 wurde er in Nordfrankreich von der Gestapo verhaftet, vom Volksgerichtshof zum Tode verurteilt und am 17. Januar 1944 in Brandenburg hingerichtet.
Der Abend soll in einer Mischung aus biographischer Darstellung und der Lesung ausgewählter Texte diese wichtige Stimme des organisierten Freidenkertums und des Widerstands gegen den Nationalsozialismus wieder hörbar machen.
Der Humanistische Verband Deutschlands – Bundesverband freut sich, Prof. Pierre-Yves Modicom (Université Jean Moulin Lyon 3) zusammen mit dem Verbandsarchivar und Bundesbeauftragten für die Geschichte des Humanismus Olaf Schlunke am 10. Juli 2026 um 18 Uhr im Haus des HUMANISMUS in der Potsdamer Straße 157 in Berlin begrüßen zu können.
Max Sievers – Freidenker und Kämpfer gegen den Nationalsozialismus. Ein Themenabend mit Pierre-Yves Modicom und Olaf Schlunke
Freitag, 10. Juli 2026, 18 Uhr
Haus des HUMANISMUS, Potsdamer Straße 157, 10783 Berlin
Eintritt frei. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.
Herzlich willkommen! Wir freuen uns auf Ihre Teilnahme.


