Frieden erfordert mehr als die Abwesenheit von Krieg

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Humanistischer Verband zu den Anschlägen des 11. September 2001.

Das Präsidium des Humanistischen Verband Deutschlands erinnerte am Sonntag an die Terroranschläge, die vor zehn Jahren in New York und Washington stattgefunden haben. „Die Taten markieren eine Zeitenwende sowohl für die US-amerikanische wie auch die globale Gesellschaft“, stellte Frieder Otto Wolf als Verbandspräsident fest.

Wolf meinte weiter, dass die Ereignisse das Denken und Handeln vieler Menschen bis heute in problematischer Weise geprägt haben. „Von der Vorstellung eines Kriegs gegen Terror sollten wir uns nun ebenso verabschieden wie von Gedanken an heilige Kriege oder anderen Vorstellungen und Zuständen, in denen solche schrecklichen Taten ihre eigentlichen Ursachen finden“, so Wolf.

Die Ideen, welche Verhältnisse verhindern, nach denen die Angehörigen von unterschiedlichen Gesellschaften und Kulturen friedlich, freiheitlich, gleichberechtigt und mit einem verwirklichten Recht auf materielle Grundversorgung leben können, müssen dazu überwunden werden. Dramatisch ungleich verteilter materieller Wohlstand kann ebenso eine Wurzel für den Weg zu Gewalt und Terror werden wie staatlich verordnete Unfreiheit oder als unerträglich ungerecht empfundene Machtverhältnisse.

Bildung, die unbedingte Anerkennung der allgemeinen Menschenrechte und starke säkulare Demokratien bleiben weiterhin grundlegende und unverzichtbare Mittel, um hier eine nachhaltig positive Entwicklung an allen Orten der Welt zu fördern, machte Wolf deutlich.

Freiheit und Frieden für die westlichen Gesellschaften lassen sich daher auch in Zukunft ebenso wenig erzwingen wie in den Kulturen, in denen die Protagonisten des 11. September 2001 ihren Ursprung hatten. Wolf: „Die Sicherheit für alle Mitglieder unserer Spezies sollte stattdessen in globaler Kooperation, im Geiste und auf Grundlage der UN-Menschenrechtserklärung wachsen.“

Mitunter verbreitete Meinungen, wonach fundamentale Schriften der christlichen oder islamischen Religionsgemeinschaften keine Lesarten und Deutungen erlauben, die für Individuen gewalttätige oder andere menschenverachtende Handlungen legitimieren könnten, sind wiederum als erwiesenermaßen unzutreffend und mit Blick auf die Motivation für schreckliche Taten als hochproblematisch zu beurteilen. Auch zehn Jahre nach dem Einsturz der Gebäude des World Trade Centers dürfen diese denkbaren Konfliktfaktoren nicht unkritisch der vertiefenden Debatte entzogen werden.

„Die immer wieder wahrnehmbaren Versuche einer pauschalen und generellen Lossagung der Zusammenhänge von religiösen Vorstellungen und wirklicher Gewalt wirken für die Konfliktprävention mit Blick auf die Gegenwart genauso kontraproduktiv wie alle verallgemeinerten Verurteilungen und Verdächtigungen gegenüber konfessionell gebundenen Gruppen“, so Wolf.

Er begrüßte darum ausdrücklich Stellungnahmen von Angehörigen der christlichen Kirchen und Sprechern muslimischer Organisationen, welche die Rolle des religiösen Fundamentalismus, die entscheidende Wichtigkeit differenzierender Betrachtungen und das Primat gewaltfreier Lösungen sowie der zivilen Hilfe herausheben wollen. Beizupflichten ist den Menschen, welche Folter, die Verneinung von Grundrechten oder einen Rückbau rechtstaatlicher Verhältnisse bei der Bewältigung kultureller Konflikte als inakzeptabel ablehnen.

Frieder Otto Wolf plädierte außerdem dafür, dass alle Angehörigen unterschiedlicher Kulturen und gesellschaftlicher Institutionen noch stärker das offene Gespräch miteinander suchen, um im rationalen Dialog der Sachlichkeit und der Deeskalation einen eindeutigen Vorrang zu garantieren. Dazu könnte dieser Tag einen Anlass geben können. Wolf erinnerte in diesem Zusammenhang an das Verhalten der norwegischen Bevölkerung in Reaktion auf die Terroranschläge in Oslo und die Morde auf der Insel Utoya.

Die Menschen in allen Gemeinschaften, ob religiösen oder nichtreligiösen Charakters, sollten sich in Zukunft ebenfalls in der Pflicht sehen, sich mit allen Möglichkeiten den konflikttreibenden und Gewalt befürwortenden Kräften in ihren Gemeinschaften zu widmen. Wolf: „Als soziale und zur Vernunft fähige Wesen haben wir alle eine Verantwortung für das Handeln unserer Nächsten. Sich ihr zu entziehen, ist unredlich und unvernünftig. Jeder kann ein Opfer von Gewalt aufgrund zugespitzter Widersprüche und falscher Ideen werden. Das hat uns der 11. September 2001 genauso gezeigt wie die jüngsten Ereignisse in Norwegen.“

Wolf erinnerte Humanistinnen und Humanisten schließlich auch an die Osloer Friedenserklärung, die auf dem letzten Welthumanistenkongress formuliert wurde. „Frieden ist mehr als die Abwesenheit von Krieg“, heißt es in der Resolution unter anderem. Dieser erfordert Respekt für den Wert und die Würde unserer Mitmenschen sowie gegenseitige Toleranz und Harmonie in jeder Person. Frieden bleibt ein aktiver und kontinuierlicher Prozess, um die Lösung von Problemen gerecht und ohne Gewalt zu realisieren. „Dieser Herausforderung müssen wir uns als Verband weiterhin mit aller Kraft stellen“, sagte Frieder Otto Wolf.

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