„Dem Gedenken auch Taten folgen lassen“

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Frieder Otto Wolf: Die Opfer des Nationalsozialismus verdienen mehr als nur eine Erinnerung.

„Das Gedenken an die unzähligen Opfer der Herrschaft des Nationalsozialismus ist auch ein Zeichen von menschlichem Respekt. Einem Respekt gegenüber denen, die von dieser inhumanen Ideologie verfolgt und vernichtet worden sind und unter ihren Folgen gelitten haben oder noch leiden. Aber auch des Respekts gegenüber allen, die dem Regime und der Ideologie des Nationalsozialismus mit aller Kraft entgegengetreten sind und ihren menschenverachtenden Ideen noch heute in allen ihren Verkleidungen entgegentreten.“

Mit Blick auf den Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus am Freitag plädierte Frieder Otto Wolf gegenüber Humanistinnen und Humanisten deshalb dafür, ein Gedenken und den geschuldeten Respekt wirklich werden zu lassen sowie entsprechenden Haltungen aktiv einen Raum im eigenen Umfeld zu verschaffen.

„Schon mit einem Satz oder einer einfachen Handlung lässt sich gegenüber der Umwelt und unseren Mitmenschen deutlich machen, dass die Erinnerung und das Nachdenken über die Ursachen und Folgen des Nationalsozialismus nicht egal sein dürfen. Kein Mensch, der sich von Vernunft und Mitgefühl leiten lässt, sollte unberührt bleiben“, so Wolf weiter. Und Menschen sollten „dem Gedenken auch Taten folgen lassen.“

Wolf erinnerte daran, dass Angehörige jeden religiösen Glaubens dem Nationalsozialismus ebenso zum Opfer fielen wie Menschen, die keinen religiösen Glauben teilten. Die Machtergreifung der an die Ideologien des Nationalsozialismus, des Faschismus und des Rassismus gläubigen Menschen bedeutete auch Verbote und Verfolgungen humanistisch und säkular gesinnter Menschen und Vereinigungen in der Vorgeschichte des Humanistischen Verbands. „Mit einem zerstörerischen Erfolg, der bis heute noch nicht wieder ausgeglichen werden konnte“, sagte Wolf.

„Den Angehörigen des jüdischen Kulturkreises und auch allen anderen von den Nazi-Regimes unter rassistischen Vorzeichen verfolgten Ethnien und Kulturen gebührt noch heute eine besondere Achtung und Unterstützung, damit ihre Rechte und Interessen gegenüber den bis in unsere Zeit verbliebenen Anhängern der Nazi-Ideologien gesichert werden. Denn die Macht derartiger irrationaler Unterwerfungs- und Herrschaftslehren bleibt gefährlich.“

Wolf betonte, dass dieses Gedenken auch innerhalb der säkularen Traditionslinien immer kritisch bleiben, unterschieden und aufgearbeitet werden müssen. Wolf: „Die im großen Raum der nationalsozialistischen Ideologien auftretenden Kräfte, die sich selbst als Atheisten bezeichneten, dürfen nie mit den aufgeklärten säkularen Kräften verwechselt werden.“ Hier gebe es weiter eine Arbeit zu leisten.

Kritisch aufzuarbeiten bleibe aber auch, wie etwa im Monistenbund der Sozialdarwinismus zu rassistischen Haltungen geführt habe oder wie der Materialismus mancher Mediziner – und zwar nicht nur in Deutschland – bis in die 1970er Jahre hinein im Rahmen „eugenischer“ Praktiken eine Verletzung zentraler Menschenrechte als gerechtfertigt habe erscheinen lassen.

Frieder Otto Wolf drückte schließlich sein Bedauern darüber aus, dass es bis heute kein offizielles Anerkenntnis einer Mitverantwortung von der katholischen Kirche an den Verbrechen des Nationalsozialismus gegeben hat, während sich die evangelischen Kirchen in Deutschland mit dem Stuttgarter Schuldbekenntnis dem historischen Skandal der „Deutschen Christen“ schon früh gestellt haben.

„Das wirkt als immer fortwährendes Zeichen dafür, dass die katholische Kirche nicht im Stande ist, sich der Realität zu stellen.“ Wolf rief daher konfessionsfreie und konfessionell gebundene Menschen dazu auf, hier weiterhin auf eine Veränderung hinzuwirken.

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