„Frauenrechte sind keine Aufgabe für bessere Zeiten“

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Für eine Kultur der Fairness, Freiheit und echten Mitbestimmung – Ines Scheibe rief dazu auf, die Reste von autoritärem und patriarchalem Denken zu beseitigen.

„Die Frauenbewegungen haben eine Menge Veränderungen im Interesse von Frauen bewirkt. Dennoch ist der 8. März auch in diesem Jahr noch kein Tag zum Feiern“, sagte heute Ines Scheibe aus dem Präsidium des Humanistischen Verbandes Deutschlands (HVD).

Anlässlich des Internationalen Frauentags am Donnerstag erinnerte sie zunächst an die weiter fortbestehende unterdurchschnittlich häufige Präsenz von Frauen in Entscheidungsgremien und Führungspositionen sowie die durchschnittlich deutlich geringeren Einkommen.

„Auch der Schwangerschaftsabbruch ist in Deutschland nach wie vor ein Straftatbestand. Doch selbst die vorhandenen Möglichkeiten zur straffreien Beendigung einer ungewollten Schwangerschaft werden insbesondere seitens der christlichen Kirchen immer wieder angegriffen“, stellte Scheibe fest.

„Alle bis heute bestehenden Versuche einer gesellschaftlichen Ächtung und Kriminalisierung dieser Selbstbestimmungsrechte von Frauen sind herabwürdigend und zielen auf eine Entmündigung“, so Scheibe weiter. „Und dass die Debatte darüber bis zu diesem Tag vor allem von Männern und insbesondere Theologen bestimmt wird, zeigt deutlich die Quellen immer noch geltender Ungerechtigkeiten auf.“

Ines Scheibe sagte weiter, dass sich in Zukunft zunehmend die Einsicht entwickeln sollte, dass die bisherige Frauenförderpolitik allein nicht ausreichend war, um Frauen die gleichberechtigte Teilhabe an allen Bereichen der Gesellschaft zu ermöglichen.

Denn es sei der Politik wie den Gesellschaften bis zum heutigen Tage nicht gelungen, gegenüber dem historisch entstandenen Verhältnis der Geschlechter, auf dessen Entwicklung Religionen einen wesentlichen Einfluss hatten, die Basis für eine wirkliche Emanzipation vom traditionellen gesellschaftlichen Ungleichgewicht zu Lasten von Frauen als Teil eines universellen Menschenrechtsanliegens zu schaffen, um so zentrale Probleme für die soziale Lage und alle Benachteiligungen im Sinne der Geschlechtergerechtigkeit zu beseitigen.

Humanistinnen und Humanisten erinnerte sie daran, dass die Zukunft hier keinen Automatismus verheißen könne, der einen stetigen Fortschritt gewährleisten würde.

Scheibe prognostizierte: „Die Auswirkungen der globalen weltweiten Krise werden Frauen in stärkerem Maße treffen als Männer, wenn soziale Sicherungssysteme zerstört, Löhne gesenkt, Renten und Maßnahmen der Arbeitsförderung gekürzt, Abgaben erhöht und die Gesundheitsversorgung, Bildung und andere Bereiche der öffentlichen Daseinsvorsorge privatisiert werden. Von den internationalen Erscheinungen wie Zunahme von Hunger, Durst, Krieg und Zerstörung, modernen Formen des Sklavenhandels und der Zwangsprostitution ganz zu schweigen.“

Sie plädierte deshalb dafür, national wie international die Gleichberechtigung von Frauen sowie ihre soziale und politische Emanzipation nicht immer wieder leichtfertig als aufschiebbare Herausforderung abzutun.

Scheibe: „Frauenrechte sind keine Aufgabe für bessere Zeiten, im Gegenteil. In allen Krisen leiden neben unseren Kindern zuerst wir Frauen. Und jede Maßnahme zur Verbesserung von Chancengleichheit, der gesellschaftlichen Reflektion über unsere Würde sowie die gleichberechtigte Beteiligung trägt direkt zur Verbesserung jeder Kultur, dem Frieden und dem sozialen Zusammenhalt bei. Deshalb sollten Frauen aus allen Kulturen und jeden Glaubens ein Interesse daran besitzen, wenn sie selbstbestimmt und frei von patriarchaler Bevormundung leben wollen.“

Sie forderte daher schließlich alle Frauen und progressiv eingestellten Menschen in Deutschland auf, sich sedierenden Stellungnahmen und wohlklingenden Worten vorgeblicher Wertschätzung aus konservativen Milieus der Gesellschaft und ihren Gemeinschaften nicht in blinder Hoffnung hinzugeben.

„Nehmen wir diesen Tag viel eher zum Anstoß, neu und konsequent für eine nachhaltige Verbesserung aller Möglichkeiten für uns, unsere Töchter und die Töchter unserer Töchter einzutreten. Fügen wir uns nicht vermeintlich gegebenen oder vorläufig bequemen Verhältnissen, nutzen wir unser Recht auf Widerspruch und Widerstand. Helfen Sie dabei mit, um die Reste des alten autoritären und patriarchalen Denkens zu beseitigen und eine Kultur der Fairness, Freiheit und echten Mitbestimmung selbst zu gestalten!“

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