Zur morgigen Beratung im Deutschen Bundestag über das Adoptionsrecht in eingetragenen Lebenspartnerschaften sowie zur Ehe-Gleichstellung ruft Frieder Otto Wolf, Präsident des Humanistischen Verbandes Deutschlands, die Abgeordneten aller Fraktionen zu einem klaren Bekenntnis zur rechtlichen Gleichstellung von homosexuellen Menschen auf.
„Der heutige Widerstand gegen diesen Schritt wurzelt in den fortschrittsfeindlichen Ideengebäuden, aus denen heraus bis vor wenigen Jahrzehnten noch der Kampf gegen die Gleichstellung von Frauen in unserer Gesellschaft geführt wurde“, erinnerte Frieder Otto Wolf dabei.
Als besonders erschreckend müsse deshalb die fehlende politische Unterstützung von Bundeskanzlerin Angela Merkel wirken, die sich zuvor gegen eine Gleichstellung homosexueller Menschen im Steuer- und Eherecht ausgesprochen hatte. Der bisherige Widerstand der Bundeskanzlerin sei ein Symbol für die Kraft rückwärtsgewandter Ideologien, wenn diejenigen, die heute von der Jahrzehnte dauernden Erarbeitung geschlechtlicher Gleichstellung in den Gesetzen und der Gesellschaft profitieren, sich nun gegen diese wenden.
„Damit wird ein Verrat an den humanistischen Idealen begangen, die die Basis für unsere kulturelle Emanzipation von auf Fremdbestimmung und Unterdrückung fußenden Gesellschaftsmodellen aus früheren Jahrtausenden bildeten“, so Wolf.
Nicht nur für die deutsche Bundeskanzlerin, sondern für alle Entscheidungsträgerinnen sei die politische Debatte um die rechtliche Gleichstellung homosexueller Menschen daher ein wichtiger moralischer Prüfstein. „Wer den Schulterschluss mit schrillen Minderheiten im Deutschen Bundestag und in den Religionsgemeinschaften sucht, die weiter gegen die Gleichstellung polemisieren, unterstützt damit zugleich solche Überzeugungen, die nicht nur homosexuellen Menschen und ihren Partnerschaften den Anspruch auf eine gleichberechtigte Teilhabe verweigern würden.“
Frieder Otto Wolf warnte schließlich auch davor, dass die politischen Gegner der Gleichstellung mit der Ankündigung radikaler Konsequenzen für die Familienpolitik in der Gesellschaft weiter eine ablehnende Stimmung zu erzeugen versuchen. Er verwies dabei auf Medienberichte, laut denen eine Abschaffung des Kindergeldes als mögliche Folge der Reformen genannt wird. „Eine Politik, welche die Förderung von familiären Gemeinschaften gegen die überfällige Gleichstellung aller familiären Gemeinschaften mit Verweis auf die Kosten für die Gesellschaft ausspielt, schafft ohne Not absurde Widersprüche bei zwei fundamentalen gesellschaftlichen Anliegen.“